Jedem Landgerichtsbezirk eine Apotheke

1840: Filiale der Bogener Apotheke im Gräfl. Bray’schen Gasthaus
Schon 1803 wurde dieser Richtwert von der Generallandes-Kommission beschlossen. Nach Wegfall der Klosterapotheken infolge der Säkularisation war eine Neuverteilung notwendig geworden. Es gab damals in Niederbayern etwa ein Dutzend selbständiger Apotheken, meist in den Städten. Daneben hatten die Landärzte und auch die Bader sogenannte Handapotheken mit häufig selbst hergestellten Arzneien. Solche Handapotheken wollte man mehr und mehr beseitigen und nur noch für abgelegene Gegenden zulassen.
Der Landgerichtsbezirk Mitterfels erhielt 1816 eine eigene Apotheke - sie lag aber nicht am Gerichtssitz, sondern im größeren Markt Bogen. Mit der Abtrennung Bogens 1838 zu einem eigenen Landgerichtsbezirk ergab sich für Mitterfels erneut eine Notwendigkeit. 1840 wurde dem Bogener Apotheker von Sicherer die Errichtung einer Filialapotheke in Mitterfels genehmigt. Er behielt sie nur acht Jahre - in dieser Zeit hatten elfmal die Pächter gewechselt! Von Sicherer verkaufte daher 1848 an den bereits privatisierenden Apotheker Josef Traub aus München. Gleichzeitig genehmigte die Regierung die Anhebung zur selbständigen Apotheke. Untergebracht war die Apotheke in einem Eckzimmer des Gräfl. Bray'schen Gasthauses, heute "Zur Post" (Graf von Bray war seit 1845 Nachfolger des Barons von Berchem in Steinburg).

Um 1852: Umzug in ein Holzhaus weiter unten
Traub verkaufte die Apotheke noch im gleichen Jahr an Gottfried Bromer. 1852 erfolgte ein Weiterverkauf an Ludwig Prugger aus Passau, und zwar um 12.500 Gulden. Der Umzug in das eigene Haus am Dorfplatz scheint demnach schon stattgefunden zu haben. 1870 erwarb Luitpold Burger die Apotheke, Angehöriger einer in Mitterfels und Straubing gut bekannten Familie. Der Kaufpreis hatte sich in 18 Jahren kaum verändert: er betrug jetzt 14.000 Gulden.
Als weitere Apotheker folgten: 1886 Gottfried Riemhofer aus Pfaffenberg, dann 1897 Dr. Carl Kohler aus Erlangen. Der Kaufpreis betrug jetzt schon 55.000 Reichsmark. An Kohler erinnerte sich noch der spätere Münchner Stadtschulrat Bauer, der einige Hilfslehrerjahre in Mitterfels verbracht hatte: Kohler hatte den jungen Lehrer öfters zum Forellenfischen mitgenommen.


1903 übernahm Joseph Rheinboldt
1903 kam der junge Apotheker Joseph Rheinboldt aus Bamberg nach Mitterfels und blieb hier volle 50 Jahre. Er wurde ein Mitterfelser durch und durch, war Gemeinderat und Kassenverwalter und eine treibende Kraft zur Lösung der Wasserversorgung. Zu seiner besonderen Lieblingsbeschäftigung gehörte das Radiobasteln - für die meisten von damals ein Buch mit sieben Siegeln. 1954 kam Bruno Kalten, ein gebürtiger Pommer. Er baute sich auf dem Hanggrundstück hinter der Apotheke ein zweites Wohnhaus.


1977: Brands verlegt die St. Georgs-Apotheke – Produktion der „Mitterfelser Wampenhilf“
1966 erwarb Heribert Brands den Besitz. Er ist gebürtiger Koblenzer, hatte aber vorher acht Jahre lang die Straubinger Löwenapotheke betrieben. Der Ortsentwicklung folgend, verlegte er 1977 die Apotheke in das Haus Seebauer (an der Kreuzung Straubinger Straße/Burgstraße). Dort begann er auch mit der Produktion eines beliebten Magenbitters, deklariert als "Mitterfelser Wampenhilf". Mitgenommen hat Brands aber den für Mitterfels passenden Namen: "St. Georgs-Apotheke, gegr. 1840".


1979: Werner Höning – 2014: Susanne Liebl
1979 übergab Brands die Apotheke an Werner Höning aus Weiden. Inzwischen hatte sich im Jahre 1974 eine zweite Apotheke angesiedelt, die "Adler-Apotheke", betrieben von Frau Christa Kreutziger. Für Mitterfels bedeutet dies einen Gewinn, weil nunmehr auch über die Wochenenden im Tag- und Nachtdienst eine Versorgung gegeben ist.
2002 übernahm Susanne Liebl von Apothekerin Christa Kreutziger die Adler-Apotheke und wechselte 2014 in die St. Georgs-Apotheke, als Werner Höning in den Ruhestand ging. Die Adler-Apotheke wurde aufgelöst.
Quelle: Franz Wartner, in: Chronik Markt Mitterfels - Neubearbeitung, Ergänzung, Bildrecherche: Franz Tosch